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Begleitende Worte des Bürgermeisters 

Fünf Jahre Verantwortung für die Gemeinde Giesen

Mit Ende des 31. Oktober 2026 endet meine fünfjährige Amtszeit als Bürgermeister der Gemeinde Giesen. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, auf die vergangenen fünf Jahre zurückzublicken.

Das Bürgermeisteramt ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, die weit über die Leitung einer Verwaltung hinausgeht. Es bedeutet, Entscheidungen für die Menschen vor Ort zu treffen, unterschiedliche Interessen miteinander abzuwägen, Probleme zu lösen und auch in schwierigen Situationen Verantwortung zu übernehmen. Nicht jede Entscheidung findet Zustimmung, nicht jeder Wunsch lässt sich erfüllen. Entscheidend war für mich, die Interessen der Gemeinde und der Menschen im Blick zu behalten und die anstehenden Aufgaben mit Sachlichkeit, Verlässlichkeit und persönlichem Einsatz zu bewältigen.

Mein Anspruch war es, die Gemeinde Giesen bürgernah, zukunftsorientiert und finanziell verantwortungsvoll zu führen. Dabei standen die Entwicklung unserer fünf Ortschaften, die Sicherung unserer Infrastruktur, die Unterstützung des Ehrenamtes und die Gestaltung wichtiger Zukunftsthemen im Mittelpunkt.

Investitionen in Infrastruktur und öffentliche Einrichtungen

Eine leistungsfähige Infrastruktur ist die Grundlage für eine lebenswerte Gemeinde. Straßen, öffentliche Gebäude, Feuerwehrhäuser und weitere kommunale Einrichtungen müssen erhalten, modernisiert und an neue Anforderungen angepasst werden.

Ein besonders wichtiges Projekt meiner Amtszeit war das neue Feuerwehrgerätehaus in Giesen. Mit diesem Bauvorhaben wurde in die Sicherheit unserer Bevölkerung und in die Zukunftsfähigkeit unserer Freiwilligen Feuerwehr investiert. Die Fertigstellung und Übergabe des Gebäudes waren wichtige Meilensteine. Dass der vorgesehene Kostenrahmen eingehalten werden konnte, war ein erfreuliches Ergebnis und zeigt, wie wichtig eine sorgfältige Planung und Kostenkontrolle bei kommunalen Investitionen sind.

Auch die Sanierung kommunaler Straßen war ein wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit. Die Gerhard-Hauptmann-Straße, der Escherder Kirchweg und der Holzfeldweg wurden grundlegend saniert. Damit wurde die örtliche Infrastruktur verbessert und kommunales Vermögen erhalten. Für die Zukunft bleibt die Unterhaltung unserer Straßen und öffentlichen Gebäude eine wichtige Aufgabe. Denn eine Gemeinde muss nicht nur neue Projekte verwirklichen, sondern vor allem auch das erhalten, was bereits vorhanden ist.

Für Groß Förste ist die weitere Entwicklung der Feuerwehrinfrastruktur ein wichtiges Thema. Die Vorbereitung eines neuen Feuerwehrgerätehauses muss mit Blick auf die Anforderungen der Einsatzkräfte, die örtlichen Gegebenheiten und die finanziellen Möglichkeiten konsequent weiterverfolgt werden. Mit dem Kauf des Pfarrgeländes hat die Gemeinde die Voraussetzungen geschaffen.

Energieversorgung und Klimaschutz konkret gestalten

Die Energieversorgung hat sich in den vergangenen Jahren zu einer zentralen kommunalen Zukunftsaufgabe entwickelt. Dabei war mir wichtig, nicht nur über Klimaschutz zu sprechen, sondern konkrete Maßnahmen auf den Weg zu bringen.

Mit öffentlich zugänglichen E-Ladesäulen in allen fünf Ortschaften wurde die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge verbessert. Damit haben wir einen Beitrag zur Mobilitätswende geleistet und die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Elektromobilität auch im ländlichen Raum besser genutzt werden kann. Der kontinuierliche Ausbau der Ladeinfrastruktur im Gemeindegebiet sollte weitergeführt werden.

Ein weiterer wichtiger Schritt war die kommunale Wärmeplanung. Mit ihrem Abschluss im Jahr 2026 wurde eine strategische Grundlage für die zukünftige Wärmeversorgung der Gemeinde geschaffen. Die Planung soll Orientierung geben, mögliche Entwicklungen aufzeigen und eine Grundlage für weitere Entscheidungen bieten. Sie ist dabei keine Garantie dafür, dass überall ein bestimmtes Wärmenetz entstehen wird, sondern ein Instrument, um die örtlichen Möglichkeiten sachgerecht zu bewerten.

Auch die Windenergie hat uns intensiv beschäftigt. Die geplanten Windenergieprojekte im Bereich Giesen, Emmerke, Ahrbergen, Groß Förste und Hasede bieten Chancen für den Klimaschutz und für zusätzliche wirtschaftliche Wertschöpfung in unserer Gemeinde. Gleichzeitig müssen Auswirkungen auf Landschaft, Wohnumfeld und die Interessen der Menschen vor Ort sorgfältig berücksichtigt werden. Ich habe mich deshalb dafür eingesetzt, die Möglichkeiten einer kommunalen Beteiligung an der Windenergie stärker in den Blick zu nehmen. Gemeinsam mit weiteren Kommunen wird die Idee einer interkommunalen Energiegesellschaft vorangetrieben, um kommunale Beteiligungsmöglichkeiten an Energieprojekten zu prüfen und gegebenenfalls wirtschaftlich nutzbar zu machen.
Für mich ist entscheidend, dass die Energiewende nicht allein vor Ort stattfindet, sondern möglichst auch vor Ort Vorteile schafft. Bürgerbeteiligung, Transparenz und kommunale Wertschöpfung müssen deshalb bei der weiteren Entwicklung eine wichtige Rolle spielen.

Hochwasserschutz und Vorsorge für außergewöhnliche Ereignisse

Der Schutz der Bevölkerung gehört zu den wichtigsten Aufgaben einer Kommune. Die Hochwasserereignisse der vergangenen Jahre haben deutlich gemacht, dass Vorsorge, Planung und Zusammenarbeit unverzichtbar sind.

Für die Ortschaften Giesen, Ahrbergen und Groß Förste wurden deshalb Hochwasserschutzkonzepte erarbeitet. Damit wurden wichtige Grundlagen geschaffen, um Gefahren besser zu beurteilen und geeignete Schutzmaßnahmen zu entwickeln. Für den Rössingbach in Emmerke wurde mit der Gemeinde Nordstemmen, mit der Stadt und dem Landkreis Hildesheim ein Arbeitskreis gebildet, um auch hier zügig gemeinsam Hochwasserschutzkonzepte auf den Weg zu bringen. Solche Konzepte sind allerdings erst der Anfang. Entscheidend ist, die gewonnenen Erkenntnisse in konkrete Maßnahmen zu überführen und deren Finanzierung zu sichern.

Auch der Bevölkerungsschutz insgesamt gewinnt an Bedeutung. Die Gemeinde muss gemeinsam mit den zuständigen Stellen, den Feuerwehren und weiteren Hilfsorganisationen auf außergewöhnliche Ereignisse vorbereitet sein. Dazu gehören eine leistungsfähige Ausstattung, klare Zuständigkeiten und eine gute Zusammenarbeit im Ernstfall.

Ergänzend dazu wurde ein kommunales Bodenschutzkonzept erarbeitet. Es hilft, den verantwortungsvollen Umgang mit unseren Flächen und Böden stärker in die kommunale Planung einzubeziehen. Die Herausforderungen sind dabei vielfältig: Wir brauchen Flächen für Wohnraum und wirtschaftliche Entwicklung, müssen zugleich aber Natur, Landwirtschaft und die Lebensqualität in unseren Ortschaften bewahren. Diese Interessen miteinander in Einklang zu bringen, wird auch künftig eine anspruchsvolle Aufgabe bleiben.

Wohnraum schaffen und die Ortsentwicklung voranbringen

Eine lebendige Gemeinde braucht Wohnraum für unterschiedliche Generationen und Lebenssituationen. Junge Familien sollen bleiben oder zuziehen können. Ältere Menschen brauchen geeignete Wohnangebote. Gleichzeitig müssen wir darauf achten, dass unsere Ortschaften ihren eigenen Charakter bewahren. Deshalb war die Entwicklung von Wohnbauflächen und die Nutzung innerörtlicher Potenziale ein wichtiger Bestandteil meiner Amtszeit.

In Emmerke wurde für das lange leerstehende Gebäude an der Giesener Straße eine neue Perspektive eröffnet. Ein Investor hat sich für eine Sanierung und die Schaffung zusätzlichen Wohnraums entschieden. Darüber hinaus wurde die Entwicklung eines innerörtlichen Baugebietes zwischen Hauptstraße und Schleifmühlenweg vorangebracht. Auf einer Fläche von rund 15.000 Quadratmetern sollen unterschiedliche Wohnformen ermöglicht werden.
Auch in Hasede sind mit der KWG Perspektiven für zusätzlichen Wohnraum auf dem ehemaligen Pfarrgelände in Form von Mehrfamilienhäusern auf den Weg gebracht und befinden sich in der Umsetzung. In Groß Förste wurde ein Baugebiet entwickelt und umgesetzt, verbunden mit Möglichkeiten für ein Demenzzentrum und ergänzende Wohnangebote.

Bei der Ortsentwicklung ging es mir jedoch nicht darum, jedes mögliche Bauvorhaben um jeden Preis durchzusetzen. Die Anliegen der Anwohnerinnen und Anwohner müssen ernst genommen werden. Das hat sich beispielsweise bei einem geplanten Bauvorhaben in der Birkenstraße in Ahrbergen gezeigt, das nach deutlicher Ablehnung aus der Bürgerschaft nicht weiterverfolgt wurde. Mein Ziel war es, Entwicklung zu ermöglichen, ohne die gewachsenen Strukturen unserer Ortschaften aus dem Blick zu verlieren.

Dorfmittelpunkte: Orte für Begegnung und Gemeinschaft

Eine Gemeinde lebt nicht allein von ihrer Infrastruktur, sondern vor allem von den Menschen, die sich in ihr begegnen. Dorfmittelpunkte, öffentliche Plätze und gemeinschaftlich genutzte Gebäude können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, das Zusammenleben zu stärken.

Für die Entwicklung der Dorfmitte in Giesen wurde das Beteiligungsprojekt „Giesen – Zentrum für morgen“ angestoßen. Dabei konnten die Bürgerinnen und Bürger ihre Vorstellungen, Wünsche und Ideen einbringen. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für die weitere Planung dienen.

Auch in Groß Förste wurde mit einer Bürgerbeteiligung zur Entwicklung eines Dorfmittelpunktes vorangetrieben. In Ahrbergen bietet die mögliche Umgestaltung des alten Feuerwehrgerätehauses zu einem Veranstaltungsbereich eine Chance, einen zusätzlichen Treffpunkt für Vereine, Initiativen und die Dorfgemeinschaft zu schaffen. Auch hier könnte ein Projekt mit den Bürgerinnen und Bürgern zur Gestaltung eines Dorfmittelpunktes anschließen. Solche Vorhaben sind mir wichtig, weil sie zeigen, dass kommunale Entwicklung nicht allein aus Bauprojekten besteht. Es geht auch darum, Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen, ehrenamtliches Engagement zu unterstützen und den Zusammenhalt zu stärken.

Dabei gilt: Die Bürgerbeteiligung darf nicht erst beginnen, wenn alle wesentlichen Entscheidungen bereits getroffen sind. Gute Beteiligung braucht eine offene Diskussion, nachvollziehbare Rahmenbedingungen und die Bereitschaft, Anregungen tatsächlich zu prüfen.

Bildung, Kinderbetreuung und die Zukunft unserer Familien

Gute Bildung und eine verlässliche Kinderbetreuung sind zentrale Voraussetzungen für die Zukunft unserer Gemeinde. Familien müssen darauf vertrauen können, dass ihre Kinder gut betreut werden und die Schulen über geeignete räumliche und organisatorische Voraussetzungen verfügen. Die Zukunft der Grundschulstandorte war deshalb ein wichtiges Thema meiner Amtszeit. Die vorhandenen Gebäude müssen an die heutigen Anforderungen angepasst werden. Dabei sind Sanierungen und Modernisierungen ebenso zu prüfen wie mögliche Neubauten. Entscheidend ist, dass die Gemeinde eine langfristig tragfähige und wirtschaftliche Lösung findet.

Besonders herausfordernd war die Vorbereitung auf den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder, der ab dem 1. August 2026 stufenweise in Kraft tritt. Diese Aufgabe stellt die Kommunen vor erhebliche organisatorische, bauliche und finanzielle Herausforderungen.

In meiner Funktion als Bürgermeister habe ich mich deshalb nicht nur für die Interessen der Gemeinde Giesen eingesetzt, sondern auch die interkommunale Zusammenarbeit gesucht. Gemeinsam mit den weiteren Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern im Landkreis Hildesheim habe ich die Verhandlungen über tragfähige Lösungen zur Organisation und Finanzierung der Ganztagsbetreuung begleitet und mich für die kommunalen Interessen eingesetzt. Dabei ging es um eine grundsätzliche Frage: Wie können wir den gesetzlichen Anspruch zuverlässig erfüllen, ohne die kommunalen Haushalte dauerhaft zu überfordern? Die Städte und Gemeinden tragen vor Ort einen erheblichen Teil der praktischen Verantwortung. Deshalb müssen Aufgabenübertragung, Finanzierung und Zuständigkeiten zusammenpassen. Diese Frage betrifft nicht nur die Ganztagsbetreuung, sondern auch die Kindertagesstätten und weitere gesetzliche Anforderungen im Bildungs- und Betreuungsbereich. Die Kommunen brauchen hierfür verlässliche finanzielle Rahmenbedingungen von Bund, Land und Kreistag.

Ein besonders schwieriger Punkt waren die Verhandlungen über den Kita-Vertrag. Ziel war es, eine tragfähige Vereinbarung über die Organisation, Finanzierung und Zuständigkeiten in der Kindertagesbetreuung zu erreichen. Diese Verhandlungen sind jedoch gescheitert. In der Folge haben sechs Kommunen den Vertrag nicht unterzeichnet. Für die Gemeinde Giesen schließen sich daran Rechtsstreitigkeiten über die Festsetzung der erhöhten Kreisumlage an. Diese Auseinandersetzungen machen deutlich, wie eng Fragen der Kinderbetreuung, der Aufgabenverteilung und der kommunalen Finanzierung miteinander verbunden sind. Zugleich haben sie gezeigt, dass die Kommunen bei der Übernahme zusätzlicher Aufgaben auf verlässliche und rechtssichere finanzielle Rahmenbedingungen angewiesen sind.

Mein Ziel war es, für Kinder und Familien gute Bedingungen zu schaffen und gleichzeitig die finanzielle Handlungsfähigkeit der Gemeinde zu erhalten.

Solide Finanzen und Verantwortung für kommende Generationen

Eine ehrliche Bilanz meiner Amtszeit muss auch die schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen berücksichtigen. Die Anforderungen an die Kommunen sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Neue gesetzliche Aufgaben, höhere Kosten für Personal und Sachleistungen, notwendige Investitionen und steigende Umlagen belasten die Haushalte. Gleichzeitig können sich wichtige Einnahmen, insbesondere die Gewerbesteuer, innerhalb kurzer Zeit erheblich verändern.

Ich habe mich deshalb für eine solide Haushaltsführung und dafür eingesetzt, die Grundsteuer möglichst stabil zu halten. Mein Ziel war es, die Bürgerinnen und Bürger nicht zusätzlich zu belasten und dennoch notwendige Investitionen zu ermöglichen. Die deutlich ungünstigere Entwicklung der Gewerbesteuereinnahmen im Jahr 2026 hat die Gemeinde vor eine besondere Herausforderung gestellt. Für den Haushalt zeichnete sich eine erhebliche Verschlechterung ab. Deshalb musste zum 1. August 2026 eine haushaltswirtschaftliche Sperre berücksichtigt beziehungsweise umgesetzt werden, um Ausgaben zu überprüfen und die finanziellen Risiken zu begrenzen.

Eine solche Entscheidung ist nicht leicht. Sie bedeutet, dass Vorhaben neu bewertet, Ausgaben hinterfragt und Prioritäten gesetzt werden müssen. Sie ist aber Ausdruck verantwortungsvoller Haushaltsführung, wenn die finanzielle Entwicklung entsprechende Maßnahmen verlangt. Ich habe stets die Auffassung vertreten, dass eine Gemeinde ihre finanziellen Möglichkeiten realistisch einschätzen muss. Nicht jede wünschenswerte Maßnahme kann sofort umgesetzt werden. Gleichzeitig dürfen wir notwendige Investitionen in Sicherheit, Bildung, Infrastruktur und Zukunftsvorsorge nicht aus den Augen verlieren.

Die Gemeinde Giesen braucht auch in den kommenden Jahren einen klaren Blick auf ihre Einnahmen und Ausgaben, eine konsequente Prioritätensetzung und eine faire Verteilung der finanziellen Verantwortung zwischen Bund, Land, Landkreis und Kommunen.

Ehrenamt, Feuerwehr und Vereine: Das Fundament unserer Gemeinde

Besonders wichtig war mir während meiner gesamten Amtszeit die Unterstützung des Ehrenamtes. Unsere Freiwilligen Feuerwehren, Sportvereine, der Kulturbereich, soziale Einrichtungen und zahlreichen Initiativen leisten einen unverzichtbaren Beitrag zum Zusammenleben.

Die Feuerwehrkameradinnen und Feuerwehrkameraden stehen bereit, wenn andere Menschen Hilfe benötigen. Sie investieren ihre Freizeit in Ausbildung, Übungen und Einsätze. Dieses Engagement verdient Anerkennung und eine verlässliche Unterstützung durch die Gemeinde. Dasselbe gilt für die vielen Menschen, die sich in Sportvereinen, Kirchengemeinden, sozialen Einrichtungen und anderen Organisationen engagieren. Sie organisieren Veranstaltungen, fördern Kinder und Jugendliche, unterstützen ältere Menschen und halten unsere Ortschaften lebendig.

Das 50-jährige Bestehen der Gemeinde Giesen im Jahr 2024 war ein besonderer Anlass, auf die gemeinsame Geschichte unserer fünf Ortschaften zurückzublicken. Die Feierlichkeiten und die entstandenen Filme über die Gemeinde haben gezeigt, wie viel Identität, Tradition und Gemeinschaft in unserem Gemeindegebiet stecken. Ahrbergen, Emmerke, Giesen, Groß Förste und Hasede haben jeweils ihre eigene Geschichte und ihren eigenen Charakter. Zusammen bilden sie eine Gemeinde, deren Stärke gerade in dieser Vielfalt liegt.

Verkehr und Mobilität: Noch offene Aufgaben

Eine gute Verkehrsinfrastruktur ist entscheidend für die Lebensqualität und die wirtschaftliche Entwicklung unserer Gemeinde. Dazu gehören sichere Straßen, gute Radwege, sichere Querungsmöglichkeiten und ein verlässlicher öffentlicher Nahverkehr.

Die Verkehrssituation an der Bundesstraße 6 und die sichere Querung stark befahrener Straßen beschäftigen viele Menschen. Hier sind Lösungen gefragt, die Sicherheit und Verkehrsfluss gleichermaßen berücksichtigen. Dazu gehören sachliche Prüfungen möglicher Querungshilfen, geeigneter Geschwindigkeitsregelungen und weiterer Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit. Auch die Verbindungen zwischen unseren Ortschaften und in die Nachbarstädte müssen weiterentwickelt werden. Dazu zählen die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs, bessere Verbindungen in Richtung Sarstedt und die Prüfung zusätzlicher Angebote für Bereiche, die bislang nur unzureichend angebunden sind.

Für den Radverkehr bleiben insbesondere die Verbindungen zwischen Giesen – Hasede und Giesen - Ahrbergen wichtige Anliegen.

Nicht alle diese Vorhaben konnten während meiner Amtszeit abgeschlossen werden. Sie zeigen jedoch, welche Aufgaben weiterhin auf der kommunalen Agenda stehen müssen. Gute Verkehrspolitik braucht die Zusammenarbeit mit dem Landkreis, den zuständigen Straßenbaulastträgern, den Verkehrsunternehmen und den Bürgerinnen und Bürgern.

Sicherheit, Ordnung und Lebensqualität

Zur Lebensqualität gehört auch, dass sich die Menschen in ihren Ortschaften sicher und wohl fühlen können. Deshalb müssen Fragen der öffentlichen Ordnung ernst genommen werden.
Illegale Müllablagerungen, Verschmutzungen, Graffiti und Sachbeschädigungen beeinträchtigen das Erscheinungsbild unserer Gemeinde und verursachen zusätzliche Kosten. Das gilt auch für Müllablagerungen im Bereich der Ahrberger Teiche und anderer sensibler Naturflächen.

Mir war wichtig, solche Probleme nicht einfach hinzunehmen, sondern auf eine Verbesserung der Situation hinzuwirken. Dafür braucht es Aufmerksamkeit, klare Zuständigkeiten, konsequentes Handeln im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten und die Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger.

Auch die Zusammenarbeit mit Polizei und weiteren zuständigen Stellen ist wichtig, wenn es um Sicherheit und Ordnung in unseren Ortschaften geht. Eine saubere und sichere Gemeinde entsteht nicht allein durch die Verwaltung. Sie ist auch Ausdruck gemeinsamer Verantwortung und eines respektvollen Umgangs mit unserer Heimat.

Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg

Viele Herausforderungen enden nicht an der Gemeindegrenze. Kinderbetreuung, Schulen, Verkehr, Energieversorgung, Hochwasserschutz und die finanzielle Ausstattung der Kommunen erfordern eine enge Zusammenarbeit mit dem Landkreis, den Nachbarkommunen und weiteren Institutionen. Gerade die Zusammenarbeit mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern im Landkreis Hildesheim war deshalb ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit. Ob bei der Ganztagsbetreuung, bei den Verhandlungen über den Kita-Vertrag, bei den daraus entstandenen Rechtsstreitigkeiten zur erhöhten Kreisumlage oder bei Zukunftsthemen wie der Energieversorgung: Gemeinsame Interessen lassen sich häufig wirkungsvoller vertreten als einzelne kommunale Anliegen.

Dabei ging es mir immer darum, die Interessen der Gemeinde Giesen deutlich zu vertreten und gleichzeitig nach Lösungen zu suchen, die auch für die Gemeinde Giesen sinnvoll sind.

Was bleibt – und was noch zu tun ist

Eine Bilanz nach fünf Jahren darf nicht den Eindruck vermitteln, sämtliche Aufgaben seien abgeschlossen. Kommunale Entwicklung ist ein fortlaufender Prozess. Manche Vorhaben benötigen lange Planungs- und Genehmigungszeiten, andere scheitern zunächst an finanziellen oder rechtlichen Rahmenbedingungen.

Der weitere Hochwasserschutz, die Zukunft unserer Grundschulen, die Entwicklung von Dorfmittelpunkten, das Feuerwehrgerätehaus in Groß Förste, die Verbesserung von Verkehrsverbindungen und die Sicherung der kommunalen Finanzen bleiben wichtige Aufgaben. Auch bei der Windenergie und der kommunalen Beteiligung, der Wärmeplanung sowie der weiteren Wohnraumentwicklung müssen die begonnenen Arbeiten sachlich und konsequent fortgeführt werden.

Die Erfahrungen aus den gescheiterten Verhandlungen über den Kita-Vertrag, der Nichtunterzeichnung durch sechs Kommunen und den anschließenden Rechtsstreitigkeiten zur Festsetzung der erhöhten Kreisumlage zeigen zudem, dass die Finanzierung kommunaler Aufgaben dauerhaft geklärt und rechtssicher geregelt werden muss. Die Gemeinde Giesen wird auch künftig darauf achten müssen, dass zusätzliche Aufgaben nicht ohne eine angemessene finanzielle Ausstattung übertragen werden.

Ich hoffe, dass die angestoßenen Projekte unabhängig vom Wechsel im Bürgermeisteramt nach ihren jeweiligen fachlichen, finanziellen und politischen Voraussetzungen weiterbearbeitet werden. Gute kommunale Entwicklung braucht Kontinuität und die Bereitschaft, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.

Die Ungleichbehandlung der Gemeinde Giesen durch den Landkreis Hildesheim bei der Festlegung der Kreisumlage führt zu einer finanziellen Benachteiligung in gravierendem Ausmaß. Der Gemeinde Giesen stehen dadurch jährlich Einnahmen in Millionenhöhe nicht zur Verfügung. Gemeinsam mit den anderen fünf Kommunen ist der gerichtliche Klageweg zum Schutz der Gemeindefinanzen unausweichlich.

Dank für fünf Jahre gemeinsamer Arbeit

Wenn ich auf meine Amtszeit zurückblicke, denke ich nicht nur an Bauprojekte, Planungen und Beschlüsse. Ich denke vor allem an die Menschen, mit denen ich in diesen fünf Jahren zusammenarbeiten durfte.

Mein herzlicher Dank gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung. Sie bewältigen tagtäglich eine große Bandbreite an Aufgaben und sorgen dafür, dass die Gemeinde für ihre Bürgerinnen und Bürger handlungsfähig bleibt.

Ich danke den Mitgliedern des Gemeinderates und der Ortsräte für die Zusammenarbeit, die Diskussionen und die gemeinsame Arbeit an den Themen unserer Gemeinde. Unterschiedliche politische Auffassungen gehören zur Demokratie. Entscheidend ist, dass die Interessen der Menschen vor Ort im Mittelpunkt stehen.

Mein Dank gilt ebenso der Ortsbürgermeisterin und Ortsbürgermeistern, den Freiwilligen Feuerwehren, den Vereinen, den ehrenamtlich Engagierten und allen Bürgerinnen und Bürgern, die sich mit Ideen, Kritik und persönlichem Einsatz für ihre Ortschaften eingesetzt haben.

Auch meiner Frau und meiner Tochter danke ich für ihre Unterstützung und ihr Verständnis. Das Bürgermeisteramt bringt viele Termine, Gespräche, Verpflichtungen und Belastungen mit sich, die häufig über einen gewöhnlichen Arbeitstag hinausgehen.

Ich verabschiede mich aus dem Amt mit dem Bewusstsein, mich in den vergangenen fünf Jahren mit großem Engagement für die Gemeinde Giesen eingesetzt zu haben. Nicht alles ist gelungen, und nicht alles konnte abgeschlossen werden. Aber ich habe versucht, die Aufgaben meines Amtes verantwortungsvoll wahrzunehmen, wichtige Projekte voranzubringen und die Interessen unserer Gemeinde zu vertreten.

Giesen ist für mich mehr als ein Verwaltungsbezirk. Es ist unsere Heimat mit fünf eigenständigen und zugleich miteinander verbundenen Ortschaften, mit engagierten Menschen, lebendigen Vereinen und einer starken Gemeinschaft. Ich wünsche der Gemeinde Giesen und allen fünf Ortschaften eine gute Zukunft. Mögen wir auch weiterhin zusammenhalten, unterschiedliche Meinungen respektieren und gemeinsam daran arbeiten, dass unsere Gemeinde ein lebenswerter Ort für Kinder, Familien, Berufstätige und ältere Menschen bleibt.

Vielen Dank für fünf Jahre Vertrauen, Begegnungen und gemeinsame Arbeit.

Ihr Frank Jürges